Unter der Leitung des GOTS Präsidenten Schweiz PD Dr. Dr. Victor Valderrabano fand vom 31.8. bis 2.9.07 im Zentralschweizer Alpensportort Engelberg das erste GOTS Sommertreffen statt. 96 teilnehmende Sportorthopäden, Sportmediziner und Sportphysiotherapeuten bestritten in familiärer Atmosphäre und konstruktiver Diskussion drei intensive Tage.
![]() Ein Blick in die grosse Zuhörerrunde. |
Am Freitagabend konnte Victor Valderrabano die Teilnehmer zur ersten Session begrüssen. Funktionelle Anatomie (Prof. Werner Müller) und Bildgebung der unteren Extremität (Dr. Thomas Egelhof) war das Thema. Dabei konnte die GOTS ihrem Ehrenmitglied Prof. Werner Müller bereits vor offizieller Bekanntgabe zur Aufnahme in die Hall of Fame der American Society for Sports Orthopaedics gratulieren. Eine besondere Ehre für ein unvergleichliches Lebenswerk! Beim anschliessenden Begrüssungs-Apéro konnte zum ersten Mal Kontakt mit der zahlreich anwesenden Industrie geknüpft werden. Die fruchtbare Zusammenarbeit und Interaktion während des Kongresses wurde von beiden Seiten sehr geschätzt.
![]() Know-how Transfer zwischen Generationen. Prof. Dr. Werner Müller, Riehen und Dr. Geert Pagenstert, Liestal. |
Am Samstag wartete ein buntes Feuerwerk auf die Kongressteilnehmer. Es begann mit einer doppelten Session zum Thema Laufen. Im ersten Teil ging es um ossäre und chondrale Verletzungen, im zweiten um muskuläre und ligamento-tendinöse Pathologien. Hervorragende Referate beleuchteten verschiedene Aspekte: Diagnostik und Therapie bei osteochondralen Läsionen am Talus oder wann welche Therapie zu wählen ist (Dr. Helmut Rasch und PD Victor Valderrabano), Fallbeispiele aus der direkten Wettkampfbetreuung oder wie man plötzlich mit einem gestürzten, nunmehr komatösen Patienten mit Grand-Mal-Anfall konfrontiert werden kann (Dr. Peter Züst), über arthroskopische Möglichkeiten am OSG oder wie man durch ein Gelenk schweben kann (Dr. Christoph Lampert), von Stresssyndrom und Stressfraktur und wann einem Bone Bruise welche Bedeutung zusteht (Prof. Roland Biedert) über Sportfähigkeit nach künstlichem Gelenksersatz oder was die Patienten nicht sollen und trotzdem tun (Dr. Thomas Perren). Prof. Beat Hintermann berichtete über laterale und mediale OSG-Instabilität oder warum eine OSG-Distorsion nicht einfach eine Bagatelle ist, Dr. Lukas Weisskopf über die Behandlung von akuten und chronischen Achillessehnenverletzungen oder warum es fast jeden Läufer eines Tages an ebendieser Sehne zwickt, Prof. Friederich über Indikationen zum vorderen Kreuzbandersatz und was der Meniskus mit dem Outcome bei Kreuzbandplastik zu tun hat und Maja Keller beleuchtete die verschiedenen Stufen in der physiotherapeutischen Rehabilitation und warum ihr die Patienten am Schluss wortwörtlich davonlaufen.
Eine grosse Ehre für die GOTS Schweiz war, Prof Walter Herzog, Co-Direktor am Human Performance Laboratory an der University of Calgary (Canada), als Ehrengast zur Key Note Lecture begrüssen zu dürfen. Der ursprünglich in der Schweiz aufgewachsene Biomechaniker lebt und arbeitet seit 30 Jahren in Nordamerika und leitet aktuell das mit 20 Professoren und 180 Forschern und Wissenschaftern weltweit grösste biomechanische Labor der Welt. In seiner faszinierenden Key Note Lecture spannte er einen weiten Bogen von makroskopischen biomechanischen zu mikroskopischen Aspekten der Muskelfunktion, welche seine Forschungstätigkeit nachhaltig geprägt hat. Beginnend mit makroskopischen Berechnungen und Messungen wie an einem Bahnradrennfahrer hingehend bis auf molekulare Ebene, wo er versuchte die Macro-Rätsel mit Micro-Antworten beantworten zu können. Er fand so, dass es neben der aktiven von A. Huxley beschriebenen Aktin- Myosin-Muskelfilamenttheorie auch "aktive" passive Elemente im Muskel gibt, um die makroskopischen Messungen erklären zu können und fand auch dafür verantwortliche Strukturen wie das Titin. Seine langjährige Erfahrung und sein wissenschaftlicher Enthusiasmus äusserten sich in einem fesselnden Vortrag. Mit einer Ehrenurkunde und einer Kuhglocke als Andenken an die Schweizer Berge bedankte sich die GOTS für seine Anwesenheit. Wir hoffen, dass er wie von ihm angetönt nun auch den Rückweg von Micro zu Macro wird so erfolgreich absolvieren können.
Am Nachmittag stand sodann die sportliche Aktivität der Teilnehmer im Mittelpunkt. In vier Workshops (Aqua Jogging - Maja Keller, Laufen - Roland Schütz, Orientierungslauf - Lukas Ebneter und Mountain Biking - Peter Nyffenegger) zu Ausdauersportarten konnte jeder seine Erkenntnisse und Erfahrungen erweitern. Die spätsommerliche Bergsonne war den Teilnehmern freundlich gesinnt und es entstand ein guter Ausgleich zum wissenschaftlichen Morgenprogramm.
![]() Sportaktivität. Der GOTS Schweiz Päsident und Kongresspräsident PD Dr. Dr. Victor Valderrabano während dem Orientierungslauf-Workshop auf der Gerschnialp. |
Der Abend wurde mit einem Apéro eingeleutet. Währenddessen berichtete der Sportmediziner Peter Osterwalder über sein Hobby als Ultra-Langdistanzläufer: "Marathon des Sables" und "A travers de l'île de la Réunion". Leistungen am Rande der Belastbarkeit, faszinierende Landschaftsimpressionen und eine gelungene Reflexion seiner Passion zogen das Publikum in seinen Bann. Im anschliessenden Kongress-Barbecue blieb Zeit, neue Kontakte zu knüpfen und alte Kontakte wieder aufzuwärmen.
![]() Interdisziplinäre Diskussionsrunde am Apéro. V.l: Dr. Peter Züst, Kerenzerberg; Dr. André Leumann, Davos/Basel; Dr. Peter Osterwalder, Zürich; Dr. Tobias Ritzler, Weissbad. |
Der Sonntag stand im Zeichen des Radsports und seinen Facetten. Dr. Tobias Ritzler betreut seit 18 Jahren die Tour de Suisse und berichtete darüber, wie man aus dem fahrenden Auto Velofahrer verarzten kann, Dr. Christian Hoppe über die Betreuung am Race Across America und wie man in 9 Tagen insgesamt nur 12h schlafen kann (und den Rest Velofahren), PD Markus Arnold über die Faszination des Mountain Biking und die Häufigkeit von Verletzungen der oberen Extremität und des Schädels in dieser Sportart, Dr. Beat Villiger informierte über den neusten Stand bei anstrengungsinduziertem Asthma und Thomas Bührer legte die Sicht eines oft verletzten Athleten dar und warum man zum Schluss dank oder trotz Sportärzten trotzdem mehrfacher Weltmeister werden kann. Dr. Geert Pagenstert, Dr. Paavo Rillmann und Dr. Beat Villiger zeigten in verschiedenen Fallbeispielen an beiden Tagen die Schwierigkeit der Entscheidungsfindung im Einzelfall auf.
Das Résumée zum Abschluss von PD Victor Valderrabano war rundum positiv. Es gelang einen fachlich intensiven Austausch in gemütlichem Umfeld und eigener Sportaktivität zu kombinieren. Das Sommertreffen verlangt nach einer Wiederholung. Das 2. GOTS Schweiz Sommertreffen 2008 wird vom 5. bis 7. September 2008 erneut im Kongresshotel Ramada in Engelberg zum Thema Tennis und Ballwurfsportarten durchgeführt werden.
![]() Das OK bei der Kongressauswertung und der Planung des nächsten GOTS Sommertreffens 2008. |





